06.09
Wer möglichst effektiv Muskelmasse aufbauen möchte, der sollte zuerst wissen wie Muskelaufbau überhaupt funktioniert, um dann sein Training entsprechend darauf einzustellen. Eine Erklärung hierfür liefert das sogenannte Prinzip der Superkompensation.
Unter Superkompensation versteht man die Anpassung des menschlichen Körpers an eine intensive Trainingsbelastung und die daraus resultierende Steigerung der Leistungsfähigkeit sowie Zunahme der Muskelmasse. Konkret besagt das Prinzip der Superkompensation, dass der Körper nach einer intensiven Trainingsbelastung nicht nur seine ursprüngliche Leistungsfähigkeit wiederherstellt, sondern dass die Leistungsfähigkeit sogar über das ursprüngliche Niveau hinausschießt. Deshalb auch der Begriff Über- beziehungsweise Superkompensation. Der Kurvenverlauf der Superkompensation sieht wie folgt aus:

Quelle: Das große Buch der Kraft
Phase 1 – Trainingsbelastung: Während einer intensiven Trainingsbelastung sinkt die Leistungsfähigkeit der beanspruchten Muskelgruppen.
Phase 2 – Wiederherstellung: Nach dem Training beginnen die beanspruchten Muskelgruppen sich zu regenerieren. Die Leistungsfähigkeit steigt wieder auf ihr Ausgangsniveau.
Phase 3 – Superkompensation: Nach der Wiederherstellung des ursprünglichen Leistungsniveaus bereitet sich der Körper auf eine erneute Trainingsbelastung vor. Die Leistungsfähigkeit der beanspruchten Muskelgruppen steigt auf ein Niveau, das über dem ursprünglichen Leistungsniveau liegt. Dies ist der günstigste Zeitpunkt für eine erneute Trainingsbelastung.
Phase 4 – Ausgangsniveau: Wenn keine erneute Trainingsbelastung erfolgt und das erhöhte Leistungsniveau somit ungenutzt bleibt, dann pendelt sich die Leistungsfähigkeit wieder auf das ursprüngliche Niveau ein.
Schneller Muskelaufbau – so klappt’s
Optimale Belastungsgestaltung, richtige Trainingsabstände
Um einen möglichst schnellen Muskelaufbau zu erzielen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die erneute Trainingsbelastung zum richtigen Zeitpunkt stattfindet, und zwar am höchsten Punkt der Superkompensationskurve. Wird zu diesem Zeitpunkt ein erneuter Trainingsreiz gesetzt, dann kommt es zu einer kontinuierlichen Steigerung der Leistungsfähigkeit und Zunahme an Muskelmasse. Leider ist dieser Zeitpunkt nicht genau bestimmbar da die Regenerationszeit von vielen Faktoren abhängig ist, wie zum Beispiel von der individuellen Leistungsfähigkeit, den beanspruchten Muskelgruppen und der Trainingsintensität.
Wenn die Leistungsfähigkeit stagniert oder sogar zurückgeht, dann sind die Trainingsabstände möglicherweise zu lang. Bei Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Lustlosigkeit während des Trainings sind die Trainingsabstände vermutlich zu kurz. Als Richtwert für den richtigen Zeitabstand zwischen zwei Trainingseinheiten für die selbe Muskelgruppe werden in der Regel 48 bis 96 Stunden angegeben. Das heißt, die selbe Muskelgruppe sollte 2 bis 4 Tage nach der letzten Trainingseinheit wieder trainiert werden. Wer also zum Beispiel am Montag die Brust trainiert, der sollte diese frühestens am Mittwoch und spätestens am Freitag erneut trainieren. Die folgende Abbildung zeigt die Superkompensationskurve bei richtigen Trainingsabständen:

Quelle: Das große Buch der Kraft
Zu häufige Belastung, zu geringe Trainingsabstände,
zu wenig Erholung
Wenn der nächste Trainingsreiz zu früh gesetzt wird, also bevor sich die Muskelgruppe vollständig erholt hat, dann haben die Muskeln nicht genügend Zeit zur Regeneration. Die Leistungsfähigkeit sinkt trotz intensivem Training aufgrund zu geringer Trainingsabstände. Man spricht vom sogenannten Übertraining. Die Superkompensationskurve bei zu geringen Trainingsabständen sieht folgendermaßen aus:

Quelle: Das große Buch der Kraft
Zu seltene Belastung, zu große Trainingsabstände,
zu unregelmäßiges Training
Wenn der nächste Trainingsreiz zu spät gesetzt wird, also die Pause zwischen den Trainingseinheiten für die selbe Muskelgruppe zu lang ist und die Leistungsfähigkeit sich bereits wieder auf ihr Ausgangsniveau eingependelt hat, dann kann die folgende Überkompensation immer nur das Niveau der vorangegangenen Überkompensation erreichen. Das erhöhte Leistungsniveau der Superkompensation bleibt ungenutzt und der Trainingseffekt geht wieder verloren. Die Leistungsfähigkeit stagniert aufgrund zu großer Trainingsabstände. Die nachfolgende Abbildung zeigt den Kurvenverlauf der Superkompensation bei zu großen Trainingsabständen:

Quelle: Das große Buch der Kraft
Egal, ob jemand an das Prinzip der Superkompensation glaubt oder es in Frage stellt, wer möglichst schnell Muskelmasse aufbauen möchte, der kommt um eine ausreichend intensive Trainingsbelastung und um die Beachtung der richtigen Zeitabstände zwischen den Trainingseinheiten nicht herum.
Freundliche Grüße
Ronny

Sehr gut erklärt. Ich habe es nirgendwo zuvor so simpel und gut nachgelesen!
Hallo Julian,
danke für die Blumen.
Grüße
Ronny
Von mir gibts auch Blumen.
Dennoch denke ich dass “zu große Trainingsabstände” im Rahmen von wenigen Tagen nur bei Spitzen-kraftsportlern zu einer Stagnation oder einem Abfall der Leistung führen. So lange das Leistungspotenzial eines Hobbysportlers nichtmal annähernd ausgeschöpft ist, muss er auch keine Leistungsstagnation bei zu langer Trainingspause befürchten…
Nur die Meinung eines Laien
Hallo Ronny,
die Erklärung ist sehr verständlich und aufschlussreich. Trotzdem bleiben ein paar Fragen offen. Mein Trainer im Sportstudio sagt im Sinn das selbe nur spricht er nicht von 2 – 4 Tagen pro Muskelgruppe sondern von 1 Woche. Ich hab mir jetzt einen 6er-Split vorgenommen:
1) Brust
2) Beine
3) Rücken
4) Trizeps
5) Schulter
6) Bizeps
7) Pause oder nur Cardio
Würde ich damit den perfekten Zeitpunkt der Superkompensation verpassen oder wird das durch das Training der anderen Muskelgruppen ausgeglichen? Welcher Split wäre Deiner Meinung nach ideal?
Danke und Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
das mit dem einmaligen Training pro Muskelgruppe und Woche sollte OK gehen, wenn Du die jeweilige Muskelgruppe entsprechend intensiv trainierst. Aufsplittungen gibt es aber, denke ich, bessere. Schau mal hier: http://www.ironsport.de/Trainingsplaene.htm. Hier stehen schöne 4er- und 3er-Splits.
Freundliche Grüße
Ronny
Hallo Ronny,
danke für die Info und die Trainingspläne. Meine eigentliche Frage ist aber noch offen…. ich erläutere kurz: Die vorgestellten 3er und 4er-Splitts fassen im Gegensatz zu meinem 6er-Split mit 1 Tag Pause pro Woche zwar mehrere Muskelgruppen pro Tag zusammen, aber es gibt mehr Pausentage pro Woche. Genau wie bei mir wird jede Muselgruppe nur 1 mal pro Woche trainiert. Die Frage bleibt also: der ideale Zeitpunkt zum erneuten Training einer Muskelgruppe bezogen auf die Superkompensation ist nach Deinem Artikel nach 48 bis 96 Stunden. Bei den vorgestellten 3er und 4er-Splitts und meinem 6er-Splitt wäre es jedoch erst nach einer Woche. Ist dann der ideale Zeitpunkt der Superkompensation vorbei oder stimmt die Angabe 48 bis 96 Stunden so nicht ????? Wie ist dazu Deine Meinung? Würde mich wirklich brennend interessieren!
Danke vorab und viele Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
es spricht nichts dagegen eine Muskelgruppe nur einmal pro Woche zu trainieren. Vorausgesetzt das Training ist so intensiv, dass der Trainingseffekt bis zur nächsten Trainingseinheit nicht schon wieder verpufft ist und Du wieder von vorn anfängst. Die 48 bis 96 Stunden sind allgemeine Richtwerte. Finde besser selbst heraus, was für Dich am Besten funktioniert.
Freundliche Grüße
Ronny